Beim letzten Shooting hatte Melanie noch den Weg aus Brandenburg zu mir nach Blankenburg auf sich genommen. Gemeinsam ging es „Back to the 90s“ – mit Kassetten, Polaroids, jeder Menge Nostalgie und dem passenden Sound aus einer herrlich verrückten Zeit.
Dieses Mal war also ich an der Reihe. Kamera eingepackt, Akkus geladen und ab ins Auto. Das Ziel: Brandenburg. Nach der kleinen Zeitreise im Studio sollte unser nächstes gemeinsames Abenteuer allerdings deutlich natürlicher werden.
Und so ging es schon kurz nach meiner Ankunft mitten hinein in den Wald.
Zwischen hohen Bäumen, dichtem Grün und den einzelnen Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch das Blätterdach bahnten, fanden wir genau die Atmosphäre, die wir uns vorgestellt hatten. Das Licht war dabei alles andere als gleichmäßig oder kontrollierbar. Es wanderte ständig, verschwand hinter den Ästen und tauchte wenige Sekunden später an einer völlig anderen Stelle wieder auf. Aber genau dieses Spiel machte den Reiz des ersten Sets aus.
In ihrem fließenden grünen Kleid verschmolz Melanie beinahe mit der Umgebung. Der leichte Stoff, die wilden Pflanzen und das warme Licht ergaben eine verträumte, fast märchenhafte Stimmung. Gleichzeitig bildeten ihre Tattoos einen spannenden Kontrast zu dieser weichen und natürlichen Kulisse. Mal rahmten Blätter ihr Gesicht ein, mal fiel das Sonnenlicht direkt auf ihre roten Haare und ließ sie zwischen all den Grüntönen regelrecht aufleuchten.
Dabei entstanden sowohl ruhige, beinahe zerbrechliche Momente als auch intensive Porträts mit einem direkten und selbstbewussten Blick. Melanie musste dabei gar nicht viel tun. Ein leichtes Anheben des Arms, eine Hand zwischen den Zweigen oder eine kleine Bewegung im Kleid reichten bereits aus, um die Szene lebendig werden zu lassen.
Mit dem Wechsel zum hellen Outfit veränderte sich auch die Stimmung. Das zarte Weiß hob sich deutlich vom dunkleren Waldboden und den mächtigen Baumstämmen ab. Plötzlich wirkte die Szenerie weniger märchenhaft und dafür deutlich sinnlicher und rauer. Zwischen Lichtinseln und tiefen Schatten lehnte Melanie an einem alten Baumstumpf, lag entspannt im Laub oder nutzte das massive Holz als natürliche Bühne.
Besonders das harte Gegenlicht sorgte dabei für einen fast filmischen Look. Die Haare leuchteten im Sonnenlicht, während der Wald dahinter dunkel und geheimnisvoll blieb. Genau diese Gegensätze liebe ich: weicher Stoff auf rauer Baumrinde, warme Hauttöne vor kühlem Grün und eine scheinbar ruhige Szene, die durch Licht, Haltung und Blick trotzdem voller Spannung steckt.
Eine wirklich tolle Idee, die wir da hatten.
Das dachten sich allerdings auch die unzähligen Mücken.
Während Melanie vor der Kamera völlig entspannt wirkte, wurde ich hinter der Kamera innerhalb kürzester Zeit zum All-you-can-eat-Buffet des brandenburgischen Waldes. Beine, Arme, Nacken – die kleinen Biester waren erstaunlich gründlich und hatten offenbar beschlossen, mich während dieser kurzen Session vollständig auszusaugen.
Aber gut: Ohne Opfer gibt es keinen Sieg.
Mein beinahe masochistischer Umgang mit der Natur hat sich am Ende definitiv gelohnt. Denn trotz Mückenalarm, ständig wechselndem Licht und akrobatischen Verrenkungen zwischen Ästen, Wurzeln und Gestrüpp entstand eine Bildserie, die genau das transportiert, was wir erreichen wollten: Natürlichkeit, Sinnlichkeit und dieses besondere Gefühl, für einen Moment vollkommen außerhalb des Alltags zu sein.
Und das war gerade einmal das erste Set unseres Tages.
Nach unserem kleinen Überlebenskampf im Wald war zunächst eine kurze Erholungsphase angesagt. Die Mücken hatten ganze Arbeit geleistet, die aggressive Natur hatte mich ordentlich bearbeitet – und deshalb gab es erst einmal die einzig vernünftige medizinische Versorgung: ein Eis.
Frisch gestärkt und noch halbwegs bei Bewusstsein ging es anschließend weiter zum See. Bei den sommerlichen Temperaturen war das natürlich genau die richtige Entscheidung. Ich liebe Wasser als Kulisse ohnehin: die Spiegelungen, das Licht auf der Oberfläche, der weiche Sand und die vielen Möglichkeiten, die sich innerhalb weniger Meter ergeben. Und auch Melanie hatte offensichtlich noch lange nicht genug.
Nicht nur die Temperaturen wurden heißer.
Mit einem knallig blauen Beachoutfit und leuchtend grünen Akzenten setzte sie einen starken Kontrast zu den natürlichen Farben des Sees. Zwischen hellem Sand, dunklem Wald und dem ruhigen Wasser wirkte das Outfit fast wie ein kleiner Farbknall. Melanie nahm am Ufer Platz, ließ sich vom Sand nicht stören und legte sich ordentlich ins Zeug. Die Spuren an ihrer Haut machten die Szenen dabei nicht unordentlich, sondern ehrlich und lebendig. Schließlich waren wir nicht in einem klinisch sauberen Studio, sondern mitten in der Natur.
Das Wasser im Vordergrund spiegelte ihre Konturen, während der Wald hinter ihr einen dunklen Rahmen bildete. Mal wirkte die Atmosphäre sommerlich und leicht, mal deutlich kraftvoller und selbstbewusster. Besonders die Ansichten zum offenen See hin hatten etwas Freies und Ungezwungenes. Kein überladener Hintergrund, kein unnötiger Schnickschnack – nur Melanie, das Wasser, ihre Haltung und das Licht.
Genau solche Momente liebe ich. Wenn Körper, Formen und Umgebung nicht gegeneinander arbeiten, sondern gemeinsam ein Bild entstehen lassen.
WEISSE SPITZE ZWISCHEN GRAS UND WASSER
Danach wurde es deutlich verspielter. In weißer Spitze bewegte sich Melanie durch das hohe Gras am Ufer. Das helle Material bildete einen weichen Gegensatz zu ihren Tattoos und den wilden Pflanzen rundherum. Zwischen feinen Gräsern, warmen Hauttönen und ihren roten Haaren entstand eine romantische, fast verträumte Atmosphäre – ohne dabei zu brav oder kitschig zu werden.
Einige Grashalme legten sich wie ein natürlicher Schleier vor ihr Gesicht. Andere rahmten ihren Körper ein oder verschwammen ganz weich im Vordergrund. Dadurch wirkten die Aufnahmen beinahe so, als würde man Melanie heimlich durch die Vegetation beobachten. Ruhig, nah und intensiv.
Auch am Ufer funktionierte die weiße Spitze wunderbar. Auf einem alten Baumstamm sitzend, den See im Rücken und die Natur weit geöffnet vor ihr, entstand eine Mischung aus sommerlicher Leichtigkeit und Sinnlichkeit. Die Schnürung, die weichen Stoffstrukturen und das warme Licht sorgten für genau die Details, wegen denen ich bei solchen Sets immer wieder den Auslöser drücken könnte.
Und dann kam er – Mellis ganz persönlicher Wunsch.
DAS BERÜHMTE „MÄDCHENDINGS-BILD“
Melanie wollte unbedingt so ein richtiges „Mädchendings-Bild“ haben.
Verträumt im Gras sitzend, weich fotografiert, ein wenig romantisch, ein wenig zerbrechlich und natürlich mit diesem ganz speziellen Blick, bei dem man als Fotograf besser nicht zu viel redet und einfach im richtigen Moment abdrückt.
Natürlich musste, sollte und konnte ich ihr diesen Wunsch erfüllen.
Zwischen den unscharfen Gräsern entstand genau diese leise, gefühlvolle Stimmung. Der direkte Blick, die angewinkelten Beine, die feine Spitze und das weiche Licht machten daraus ein Bild, das deutlich ruhiger war als viele andere Aufnahmen dieses Tages. Kein großes Posieren, keine dramatische Bewegung – einfach ein stiller Moment.
Ja, es war ein „Mädchendings“.
Aber verdammt, es hat funktioniert.
OHNE OUTFIT, ABER NICHT OHNE NATUR
Im Schilf wurde das Shooting anschließend noch ursprünglicher. Melanie verzichtete auf das Outfit und ließ stattdessen die Natur selbst die Gestaltung übernehmen. Die langen Halme legten sich vor ihren Körper, zeichneten Schatten auf ihre Haut und schufen immer wieder neue Linien und Formen.
Ihre roten Haare leuchteten zwischen den tiefen Grüntönen besonders intensiv. Mal bewegte der Wind einzelne Strähnen durch das Bild, mal verschwand ein Teil ihres Körpers hinter den Pflanzen. Dadurch entstand keine einfache Aktserie, sondern ein Zusammenspiel aus Haut, Tattoos, Licht und Vegetation.
Nichts wirkte hineingestellt. Melanie wurde vielmehr zu einem Teil dieser wilden Umgebung.
Die hohen Schilfhalme gaben dabei immer nur so viel frei, wie für das jeweilige Bild nötig war. Einige Aufnahmen wurden weich und beinahe malerisch, andere deutlich intensiver und körperlicher. Das Sonnenlicht zeichnete Muster über ihre Haut, während die dunkleren Bereiche des Schilfs für Tiefe und eine fast geheimnisvolle Stimmung sorgten.
Später öffnete sich die Szene wieder zum See. Warme Farben, nasse Haare und die klare Landschaft ließen die Bilder fast wie einen endlosen Sommertag wirken. Direkt am Wasser entstanden noch einmal ganz unterschiedliche Stimmungen: sonnig und offen, sinnlich und kraftvoll, aber auch reduziert bis hin zu einer dunklen Silhouette vor dem weiten See und den dramatischen Wolken.
Zwischendurch ging es natürlich auch ins Wasser. Dort wurden Stoff, Haut und Licht noch einmal ganz anders sichtbar. Die Bewegungen wurden langsamer, die Oberfläche spiegelte den Himmel und jede kleine Welle veränderte die Aufnahme. Genau darin liegt für mich der Reiz: Man kann eine solche Szene planen, aber die Natur macht am Ende trotzdem ihr eigenes Ding.
EIN SHOOTING MIT PUBLIKUM
Ganz unbeobachtet blieben wir an diesem Tag übrigens nicht.
Eine nette Dame legte während ihrer Fahrradtour eine kleine Pause am See ein und bekam dadurch gleich noch ein unerwartetes Zusatzprogramm geboten. Ich glaube, sie hatte später zu Hause definitiv etwas Interessanteres zu erzählen als nur von Bäumen, Wasser und gefahrenen Kilometern.
Als kleines Dankeschön bekamen wir sogar einen Schnappschuss von uns während des Shootings. So gibt es ausnahmsweise auch einmal einen Blick hinter die Kulissen – und den Beweis, dass ich tatsächlich gearbeitet und nicht nur am See herumgegammelt habe.
Kurz vor dem Ende tauchten dann noch weitere neugierige Gäste auf. Eine kleine Mink-Familie kam vorbei und schaute offenbar ebenfalls nach, was wir dort eigentlich den ganzen Tag trieben. Vielleicht waren sie begeistert. Vielleicht irritiert. Vielleicht wollten sie auch nur wissen, ob nach dem Eis noch etwas Essbares übrig geblieben war.
Wir werden es nie erfahren.
EIN PERFEKTER ABSCHLUSS
Nach all den Sets, dem Wald, den Mücken, dem Sand, dem Schilf und dem Wasser war irgendwann auch der schönste Shootingtag vorbei. Bevor ich mich wieder auf den Heimweg nach Blankenburg machte, gab es aber noch ein gemütliches Abendessen.
Currywurst.
Ganz ehrlich: Nach so einem Tag schmeckt die noch einmal doppelt so gut.
Es war ein toller Tag, eine großartige gemeinsame Zeit und ein Shooting voller völlig unterschiedlicher Stimmungen. Vom märchenhaften Wald über kräftige Sommerfarben am See bis hin zu feinen Porträts, sinnlichen Spitzenlooks und natürlichen Aktaufnahmen im Schilf war alles dabei.
Und am Ende sind nicht einfach nur tolle Bilder entstanden.
Es sind verdammt tolle Bilder entstanden.
Wahnsinn!












