Am 23. Juli führte mich meine nächste fotografische Reise nach Bad Harzburg. Dieses Mal wartete kein Studio, keine verlassene Industriehalle und auch keine wilde Natur auf mich. Stattdessen stand ein Homeshooting mit Anja und Emilia auf dem Plan.
Schon beim Betreten der Wohnung war klar: Zurückhaltung war hier keine Option. Rosa Wände, glänzende Oberflächen und Glitzer, wohin das Auge blickte. Gefühlt hatte jeder Raum seine eigene Portion Glamour abbekommen. Optisch war ich im ersten Moment durchaus etwas erschlagen – aber genau solche ungewöhnlichen Orte machen ein Homeshooting schließlich interessant.
Und lange blieb auch keine Zeit, über die Einrichtung nachzudenken. Kaum waren Kamera und Licht vorbereitet, stiegen die Temperaturen deutlich an.
Emilia – zart, elegant und überraschend intensiv
Den Anfang machte Emilia. Mit ihrer ruhigen, fast verträumten Ausstrahlung bildete sie einen spannenden Kontrast zu den kräftigen Farben der Räume. Vor den tiefblauen Stoffen und dem kühlen Farbton der Wände entstand eine elegante Bildwirkung, die durch schwarze Spitze noch verstärkt wurde.
Mal zurückhaltend und nachdenklich, mal selbstbewusst und direkt – Emilia zeigte schnell, dass auch leise Posen eine enorme Wirkung entfalten können. Besonders die Aufnahmen auf dem Bett lebten von ihrer Körperspannung und den ungewöhnlichen Perspektiven. Statt klassischer Posen entstanden Formen, Linien und Blickwinkel, die das Auge erst einmal sortieren muss.
Genau das liebe ich an solchen Momenten: Ein vertrauter Raum wird plötzlich zur Bühne, ein Bett zur geometrischen Fläche und eine scheinbar einfache Haltung zu einem Bild, das hängen bleibt.
Ein Ventilator sorgte anschließend nicht nur für dringend benötigte Abkühlung. Er wurde selbst Teil der Bildidee. Das bewegte Haar, die rote Spitze und das warme Licht erzeugten eine fast sommerlich-schwere Stimmung. Man konnte die Hitze förmlich spüren.
Emilia bewegte sich dabei zwischen verspielter Eleganz und klarer Sinnlichkeit. Schwarze Spitze vor dunklem Blau wirkte geheimnisvoll und edel, während das rote Outfit die Stimmung komplett veränderte. Plötzlich wurde es offensiver, wärmer und deutlich temperamentvoller.
Anja – Tattoos, Ausdruck und pure Präsenz
Mit Anja veränderte sich die Atmosphäre erneut. Ihre Tattoos erzählen bereits Geschichten, bevor sie überhaupt eine Pose einnimmt. Jeder Winkel, jede Drehung des Körpers und jeder Lichtwechsel hebt andere Details hervor.
Auf dem dunkelblauen Sofa entstand dadurch ein starker Kontrast: warme Hauttöne, farbige Tätowierungen und die massive, fast samtige Struktur der Polster. Anja braucht dabei keine aufwendige Kulisse. Ihre Präsenz füllt den Raum ganz von allein.
Mal lag sie ruhig und beinahe verletzlich auf dem Sofa, mal zeigte sie eine völlig andere Seite – direkt, selbstbewusst und ohne Scheu vor ungewöhnlichen Blickwinkeln. Gerade diese Gegensätze machten die Serie spannend.
Besonders beeindruckend war, wie unterschiedlich ihr Körperschmuck je nach Pose wirkte. In einigen Aufnahmen verschmolzen die Tattoos fast zu einem großflächigen Kunstwerk. In anderen Momenten wurden einzelne Motive, Linien und Farben sichtbar, die den Blick über den gesamten Körper führten.
Die rosafarbenen Wände, die mich zu Beginn beinahe erschlagen hatten, funktionierten plötzlich erstaunlich gut. In Kombination mit dem warmen Licht und Anjas kräftiger Bildwirkung entstand ein Look, der irgendwo zwischen Homeshooting, Underground-Ästhetik und extravagantem Editorial lag.
Wenn zwei unterschiedliche Energien aufeinandertreffen
Richtig spannend wurde es, als Anja und Emilia gemeinsam vor der Kamera standen.
Hier trafen zwei vollkommen unterschiedliche Typen aufeinander: Emilia mit ihrer weichen, eleganten Ausstrahlung und Anja mit ihrer kraftvollen, tätowierten Präsenz. Genau diese Gegensätze sorgten für eine besondere Spannung.
Schwarze Spitze, enge Bildausschnitte und körperliche Nähe ließen Aufnahmen entstehen, die intensiv wirkten, ohne künstlich inszeniert zu sein. Die beiden harmonierten miteinander, obwohl – oder gerade weil – ihre Erscheinungen so unterschiedlich sind.
Aus einem zunächst etwas kitschig wirkenden Raum mit rosa Vorhängen und tiefblauen Flächen wurde dadurch eine überraschend passende Kulisse. Die Farben trennten und verbanden die beiden zugleich: warmes Rosa auf der einen, kühles Blau auf der anderen Seite. Dazwischen schwarze Spitze, Haut, Tattoos und starke Emotionen.
Später wurde die Stimmung noch kantiger. Metallische Accessoires, klare Machtverhältnisse und eine provokante Bildsprache brachten eine völlig neue Ebene in das Shooting. Die zuvor elegante Atmosphäre bekam plötzlich etwas Rohes und Unberechenbares.
Dabei ging es nicht einfach nur darum, möglichst viel Haut zu zeigen. Entscheidend waren die Rollen, die Körpersprache und die Spannung zwischen den beiden. Ein Blick, eine Handbewegung oder eine bewusst gesetzte Distanz konnte mehr erzählen als jede aufwendige Kulisse.
Homeshooting bedeutet Improvisation
Ein Homeshooting ist immer eine besondere Herausforderung. Anders als im Studio lässt sich nicht jeder Hintergrund verändern und nicht jede Wand verschieben. Man arbeitet mit dem, was vorhanden ist.
Genau darin liegt aber auch der Reiz.
Das Sofa wurde zur Bühne, das Bett zur Spielfläche, ein Ventilator zum Gestaltungselement und die ungewöhnlichen Wandfarben zum festen Bestandteil des Looks. Selbst vermeintlich störende Details können plötzlich eine Bildidee liefern.
Natürlich muss man genauer hinschauen. Welche Perspektive funktioniert? Welche Ecke erzählt eine Geschichte? Wo wird aus einem gewöhnlichen Raum ein außergewöhnliches Bild?
An diesem Tag hat sich wieder gezeigt, dass gute Bilder nicht von der Größe einer Location abhängen. Viel wichtiger sind Vertrauen, Kreativität und die Bereitschaft, gemeinsam etwas auszuprobieren.
Rosa, Glitzer und zwei Frauen mit völlig unterschiedlicher Wirkung
Was zunächst nach einer kleinen Überdosis Rosa und Glitzer aussah, entwickelte sich zu einem vielseitigen Shooting mit mehreren völlig unterschiedlichen Bildwelten.
Emilia brachte Eleganz, Ruhe und eine feine Sinnlichkeit mit. Anja setzte Tattoos, Ausdrucksstärke und kompromisslose Präsenz dagegen. Gemeinsam entstand daraus eine Serie, die von Gegensätzen lebt: weich und hart, verspielt und dominant, kühl und heiß.
Bad Harzburg hat an diesem Tag definitiv gezeigt, dass sich hinter einer rosafarbenen Wohnung mehr verbergen kann als nur Glitzer.
Sehr viel mehr.
Und während draußen ein ganz normaler Julitag weiterlief, wurde es drinnen von Aufnahme zu Aufnahme heißer.






